Das Grufthausensemble
In der südlichen Ecke des Inneren Neustädter Friedhofs und am Endpunkt des ersten Querweges befinden sich die künstlerisch und personengeschichtlich herausragenden Grufthäuser für Oberlandbaumeister Christian Friedrich Exner (1718–1798), Hofbaumeister Christian Traugott Weinlig (1739–1799) und Finanz- und Justizminister Johann August Heinrich von Behr (1793–1871).
Die Gruftreihung und die dazugehörige Mauer sind zudem Teil des philosophischen Grundsatzes der Trennung zwischen dem Diesseits und dem Jenseits. Dieses Element spielt in der Bestattungskultur eine zentrale Rolle im Bewältigen von Trauer und Abschied. Aus künstlerischer und kunsthistorischer Sicht sind die in Rede stehenden Grufthäuser – trotz ihrer Versehrtheit – exemplarischer Ausdruck ihrer Zeit, was sich an einzelnen erhaltenen Gestaltungselementen, wie der schmuckvollen Korbbogenblende, den Pilastern mit organischer Plastizität und einer herausragenden Schmiedearbeit an einem der Tore widerspiegelt.
Bereits die breite Wirkung der Eingangssituation zu den einzelnen Grüften sind Ausdruck für Reichtum und Repräsentation.
Exner, der als Vertreter des Dresdner Rokokos u. a. den Ostflügel des Taschenbergpalais errichtete und an den Umbauten am Japanischen Palais beteiligt war, erbaute nach den Plänen des ebenfalls in der Gruft bestatteten Weinlig die Seitenflügel des Bergpalais von Schloss Pillnitz.
Im dritten Grufthaus wurde der sächsische Finanz- und Justizminister Behr beigesetzt. Neben seiner Bekanntheit als Staatsmann, schrieb seine Villa, das sogenannte Behrsche Haus, in Dresden Architekturgeschichte. Von Johann Gottlob Thormeyer wurde sie als klassizistische Villa am Neustädter Brückenkopf der Albertbrücke bis 1834 errichtet.
Für die Grufthäuser gibt es bedauerlicherweise heute keine Nutzungsberechtigten mehr, die für die bauliche Unterhaltung sorgen könnten.
Dr. Ulrich Hübner