Familiengrabstätte Lehmann - Das Exedragrab der Reformarchitektur

Das Familiengrab Lehmann auf dem Neustädter Friedhof - Das Exedragrab der Reformarchitektur Foto: Dr. Ulrich Hübner

Fast im Zentrum des Dritten Landes auf dem Inneren Neustädter Friedhof befindet sich die monumentale Grabanlage der Familie Lehmann.

Die freistehende Grabwand mit exedraartigen Seitenwangen umfängt die verhältnismäßig breite Grablege. Die Zusammensetzung der groß geschnittenen Sandsteinblöcke ergiebt die quasi neubarock anmutende Form. Vor allem der geschwungene obere Abschluss bewirkt diesen Eindruck. Kraftvoll und statisch wirken hingegen die Pfeiler, die die mittlere Wand begrenzen und den Blick auf die Gedenktafel für die Bestatteten freigeben. Mit Kranz und Kordel wird diese hochwertige Bronzetafel eingefasst. Ein mittlerer unterer Stein erinnert an den im Ersten Weltkrieg gefallenen Walther, der außerhalb Deutschlands begraben wurde. Eichenlaub und Stahlhelm verdeutlichen dabei die Nähe zum Vaterland. Die stalaktitenartigen Verzierungen der Steinoberflächen unterstreichen die naturnahe Anmutung des in sich geschlossenen Grabbereiches.

Verlags- und stadtgeschichtliche Bedeutung kommt dem Grabmal zu, weil darin der Gründer der Lehmannschen Buchdruckerei in der Rähnitzgasse Ottomar Lehmann (1837-1921) begraben ist. Bereits 1869 eröffnete Lehmann neben der Druckerei auch eine Verlagsbuchhandlung, was ihn auch zur Übernahme der Modezeitung des Europäischen Modezentrums Dresden von Klemm & Weiß qualifizierte. Die Modezeitschriften beinhalteten sogar entsprechende Schnittmuster für Bekleidung. Sohn Georg Lehmann (1867-1949) erhielt später Prokura für die Modezeitung. In diesem Zusammenhang wurde um 1910 auch das Industriegebäude und heutige Wohnhaus an der Prießnitz auf der Nordstraße 31 umgebaut. Darin befand sich die moderne Druckerei und Schnittmustermanufaktur.

Die genaue Familiengeschichte, die auf die Dresdner Neustadt als Werkstatt- und Fabrikationsort des Industriezeitalters ein besonderes Licht wirft, bedarf einer genauen Aufarbeitung.

Dr. Ulrich Hübner

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